default_mobilelogo

Riviera - von Finale Ligure über Genua bis nach Loano

 

Nach vielen Segeltagen im Norden hat es mich für den letzten Törn in 2017 nochmal in den Süden gezogen.Wenn in Deutschland die ersten Nebelfelder den Herbst einläuten, wenn die ersten strammen Nachtfröste die Wiesen mit einem weißen Schleier überziehen, wenn die Tage schon so richtig kurz sind, dann spüre ich nochmal eine richtige Sehnsucht nach Sonne, Wärme und mediterranem Ambiente.

 

Mein ursprünglicher Plan, die Adria zwischen Venedig und Triest zu erkunden, wurde zugunsten einer Fahrt zwischen Finale Ligure und Genua fallen gelassen: Joachim hatte nur einen Flug nach Genua gefunden, der Transfer nach Triest war teurer und länger, für einen Kurztrip also eher unrentabel. Und so machte ich mich Ende Oktober auf den Weg nach Finale Ligure an der italienischen Riviera, wo BELIAN am letzten Oktoberwochenende noch einmal Wasser unter den Kiel - sorry, plural, natürlich die Kiele -  bekam. Geschützt durch die Bucht von Genua liegt die Riviera in einem Gebiet mit wenig Einfluss durch die starken Winde des Mistrals und so kann man hier schön segeln während sich an der Cote d‘Azur die Palmen biegen!

 

Nun ist der Hafen von Finale Ligure kein wirklicher Hingucker - weder seine Lage noch die Größe bestechen so richtig. Als Ausgangshafen für einen Törn entlang der italienischen Mittelmeerküste südwestlich von Genua aber ist er bestens geeignet: Die Preise fürs Kranen, Parken und Liegen sind erschwinglich, die Verantwortlichen sind sehr flexibel und freundlich, Kontakt, Service und Abwicklung sind unkompliziert und unbürokratisch. Der erste Schlag im Meer allein mit BELIAN führte mich nach Varazze, 4,5 Seemeilen nordöstlich von Savona. Bei idealen Bedingungen war es dar reinste Vergnügen in das recht nette Städtchen zu segeln.

 

Nach einem Hafentag auf Grund deftiger, recht ruppiger Segel-Bedingungen brach ich auf nach Genua. Der alte Stadthafen soll laut Törnführer absolut sehenswert sein und so setzte ich mir zum Ziel dort die kommende Nacht zu verbringen, um am Abend des nächsten Tages Joachim vom Flughafen abzuholen. Doch es kommt beim Segeln bekanntlich erstens immer anders als man zweitens denkt und so musste ich bei böigem Nordwind um die 20kn die Fahrt nach Genua unterbrechen. Der nächste erreichbare Hafen war Arenzano, wo ich ziemlich geschafft und abgekämpft mein Schiff bei recht widrigen Bedingungen mit Müh und Not in eine Box manövrierte. Wie in der gesamten Woche was das Wetter ansonsten fantastisch, Wolken und Kälte waren kein Thema, ich denke eine idealere Seglerwoche hätten wir uns nicht aussuchen können.

 

Auch Arenzano gewinnt nicht den Schönheitspreis einer malerischen Stadt,  das Prädikat „sehenswert“ ist sonst zwischen Genua und Nizza häufig zu vergeben. Als Ausgangspunkt für den gemeinsamen Abschnitt mit Joachim aber war die Marina allemal in Ordnung. Uns so segelten wir am 01.11. von hier los und erreichten mit einem Schlag und bestem Segelwind Finale Ligure. Ein fantastischer Sonnenuntergang rundete diesen wirklich schönen Segeltag ab.

 

Tags drauf starteten wir bei moderaten Bedingungen nach Südwesten, mit dem Ziel die Insel Isola Gallinara anzulaufen, um dort zu ankern und ein wenig zu baden. Die Nacht wollten wir in der Marina Porto Luca Ferrari nahe Alassio verbringen. Nach wenigen Seemeilen aber frischte der Wind derart auf und der Seegang erreichte eine unangenehme Stärke, so dass ein Aufkreuzen nicht weiter möglich war. Auf der Höhe von Loano entschlossen wir uns schließlich Plan B umzusetzen und diese recht beeindruckende Marina anzulaufen.

 

Gedacht getan, am frühen Nachmittag wurden wir mit Geleitschutz per Schlauchboot von einem Marinero an der Hafeneinfahrt abgeholt und zur Box gebracht. Zu einem recht ansprechenden Preis konnten wir die Deluxe-Sanitäranlagen nutzen, am nahe gelegenen Strand baden und die nette Innenstadt besuchen. Loano ist eine Reise Wert - das spricht man sonst nur Berlin zu. Mit einer Vielzahl an ansprechenden Restaurants, Bars und Cafes, die es immer wieder schafften uns mit ihren kulinarischen Verlockungen zum Bleiben zu verführen, wartet diese mediterrane Metropole auf. Mal ehrlich, wer kann dazu schon NEIN sagen ...

 

… und so haben wir uns einfach immer wieder zu einer genussvollen italienischen Pause hinreißen lassen. Segeln ist schön, aber ohne diese stillen und sinnigen Momente, einem fantastischen Cappuccino, einem Brioche, Blicken aufs Meer und der milden Luft des Mittelmeeres, die durch die Gassen dieser Stadt zieht, wäre ein Törn wie dieser einfach unvollkommen. Und mit diesen Bildern neigt sich das Segeljahr auch schon so langsam seinem Ende entgegen - „sche wars“ wie der Schwabe zu sagen pflegt.

 

Die Rückfahrt von Loano nach Finale Ligure fand bei traumhaften Leichtwindbedingungen statt, besseres Wetter kann man sich für den letzten ganzen Segeltag in einer Saison kaum wünschen. So sehen glückliche Skipper aus ...

 

Auskranen, Mastlegen, Festbinden und Heimfahren - das waren grob die Hauptaktivitäten des letzten Tages dieses Törns.

 

Ich blicke auf eine Saison zurück, die schöner nicht hätte sein können. Ach ja, da fällt mir ein: „Nach dem Törn ist vor dem Törn“, unter Ausblick gibt es die konkrete Planung für die nächste Saison, unter Visionen sogar schon recht klare Pläne für 2019.