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Dänische Südsee - Teil 1 - Rund um die Insel Als

Gestartet sind wir, Peter und ich, in Augustenborg, nördlich der Flensburger Förde. Der Törn begann mit einem technischen Problem der besonderen Art. Das Aufriggen, vor allem das Stellen des Masts, gestaltete sich als problematisch, weil sich das Vorstag - das Drahtseil, an dem das Vorsegel hängt und das den Mast am nach hinten kippen hindert - auf merkwürdige, ja geradezu geheimnisvoll magische Art und Weise seit dem letzten Törn um ca. 10cm verkürzt hatte !!! Nach vielen vergeblichen Versuchen die Wantenspanner in Ihrer Länge zu verändern, Verwindungen im Stag zu finden oder sonstige Fehler zu beseitigen, die Lösung versprachen - an dieser Stelle waren wir bereits kurz vorm Aufgeben - fiel mir auf, dass die Trommel der Rollfockanlage gar nicht da war wo sie eigentlich hätte sein sollte, nämlich am unteren Ende des Vorstags.

Kaum war dieses Bauteil montiert stellte sich heraus, dass genau dieses die fehlenden 10cm ausmachte. Kein Materialschwund und kein unerklärliches Zusammenziehen des Stahlseils, einfach nur Schusseligkeit des Skippers und Booteigners. Wer mitdenkt ist klar im Vorteil, wir konnten also doch noch mit gestelltem Mast und gesetzten Segeln auslaufen !!! Ich schätze dieses Missgeschick passiert mir nicht nochmal, die Genua-Bergeleine mit Fock-Trommel liegt seither beim Aufriggen immer als erste auf dem Vorschiff.

Die Marina Augustenborg ist nicht wirklich idyllisch, aber als Starthafen ideal:

Die Segel-Bedingungen im kleinsten skandinavischen Land waren fantastisch: Sonniges, mildes, vor allem auch windiges Sommerwetter sorgte für reichlich Vortrieb, manchmal allerdings auch für viel Welle und Krängung. Gegen den zum Teil recht frischen Wind aufzukreuzen verlangte an manchen Tagen viel von Schiff und Mannschaft ab, dennoch sind wir an nur zwei Tagen von 2 Wochen im Hafen geblieben. Wenn man am Mittelmeer Hafentage einlegt, dann oft wegen Flaute, in Dänemark meist wegen Starkwind oder gar Sturm. Auch diese Yacht war gerefft unterwegs:

Die so erzwungenen Stopps aber haben sich immer ausgezahlt, denn zunächst saßen wir in Faaborg fest, aus meiner Sicht eine der schönsten Städte auf der Insel Fünen. Traditionelles, skandinavisches Flair gepaart mit einer pulsierenden Innenstadt, da gibt es keine Langeweile, besonders dann nicht, wenn man einen Fotoapparat dabei hat. Nach Faaborg bin ich zehn Tage später noch einmal gekommen, ich stelle dieses Juwel im Norden weiter unten noch ausführlicher vor. Zunächst nur soviel:

Der Stadthafen hat Charme, ist sehr frequentiert, liegt recht zentral - es sind nur ein paar Schritte in die Stadtmitte - und bietet viele Annehmlichkeiten wie saubere Duschen und WCs, Waschmaschinen, einem nicht immer funktionierenden Wäschetrockner, Imbiss-Buden mit leckerem frischem Fisch und einen Laden mit viel brauchbarem Schiffs-Equipment.

Der zweite unfreiwillige Aufenthalt wegen Starkwind mit 25kn und mehr sowie anständigem Gewell sorgte für die Möglichkeit einer Erkundung der idyllischen Insel Lyo. Das nur 2km² große Eiland verzaubert durch eine Atmosphäre, die ihres Gleichen sucht. In nur wenigen Stunden kann man einen Großteil der Insel gemütlich erwandern, das schmälert die eindrücklichen Bilder, die sich tief im Herzen (nicht im Kopf) einbrennen, aber nicht im Geringsten. Die schönen und pitoresken Winkel dieses kleinen Eilands faszinieren durch die tiefe Harmonie von Farben und Licht sowie durch das facettenreiche Zusammenspiel von Zivilisation und Natur.

Ebenfalls ein Juwel: Dyvig, eine kleine Bucht, die nur über eine Engstelle mit wenigen Metern Breite erreicht werden kann, besticht nicht nur durch die markante Zufahrt zwischen den engen Spieren hindurch (siehe Karte unten). Auch das Hotel mit der kleinen, überschaubaren Marina und seinem zuvorkommenden Hafenmeister, der die abends bestellten Brötchen des morgens frei Haus ... nein, frei Schiff liefert, bleiben dem Besucher in guter Erinnerung.

Die kleine Marina von Mommark … man läuft sie eigentlich nur im Notfall an, wenn der Wind bei Tageslicht nicht bis nach Sonderborg reicht oder wenn es, wie im Kleinen Belt an dieser Ecke nicht selten, so kachelt, dass man gerne einen Stopp einlegt und den nächsten Tag abwartet. Wenig Infrastruktur, unscheinbar und landschaftlich nicht wirklich berauschend, das beschreibt den kleinen Hafen sicher recht treffend.

Doch sie hat eine Besonderheit: Es ist in Dänemark üblich - beherzigt man das traditionelle Ritual bis ins Detail - im Moment des Sonnenuntergangs die Gastlandflagge einzuholen und diese exakt bei Sonnenaufgang wieder zu setzen. Der Hafenmeister in der Marina von Mommark lässt dazu am Abend sein Horn ertönen und spielt drei oder vier Lieder während dieses Ereignisses. Das verleiht der Prozedur einen ganz eigenen, fast feierlichen Charakter, das gibt es so in ganz Dänemark kein zweites mal.

Auf den zweiten Blick entfaltet diese Marina aber doch einen ganz eigenen Charme: Der naheliegende Strand lädt am Abend - natürlich auch morgens - zu einem erfrischenden Bad ein, das Restaurant erfreut durch eine einfache, aber erschwingliche und leckere Küche die Gemüter der Crew und die familiäre Atmosphäre im Hafen sorgt für reichlich Kontakt zu anderen Seglern.

Insgesamt ist Mommark damit einen Besuch wert und so wird die Marina auch im kommenden Segeljahr die Basis für ein paar schöne Schläge werden, denn wir - meine Frau und ich - werden mit Detlef und seiner Familie dort eine Woche in einem schönen, gut ausgestatteten, hyggeligen dänischen Ferienhaus Urlaub machen. BELIAN ist natürlich auch wieder dabei, Dänemark ohne Boot und Segel geht gar nicht!

Und dann gab es am Ende des ersten Dänemark-Törns in 2017 noch ein Highlight der besonderen Art: Die Regatta Kongelig-Classic, kurz KC 1855, führte die Traditionssegler vom 24. bis 27.08.2017 von Flensburg über Sonderborg bis hoch nach Aabenraa. In Sonderborg liefen am Abend des 25. August viele Teilnehmer des Wettbewerbs mit ihren Traditionsschiffen ein, vor der malerischen Kulisse der Hafenstadt ein absolut sehenswertes Ereignis. Mehr als 60 Traditionssegler haben hier festgemacht und den ohnehin schon beeindruckenden Anblick der Häuserzeile am Hafenbecken optisch bereichert.

Das besondere an einer Fahrt vorbei an Sonderborg Richtung Norden ist die Durchfahrt unter der Brücke: Diese wird zu jeder vollen Stunde für wenige Minuten gehoben. Dann passieren alle Schiffe, die sich bis dahin im Hafenbecken gesammelt haben, die Pforte in den Sonderfjord, der nach wenigen Seemeilen in den Alsfjord mündet.

Mit einem Abstecher nach Dyvig (Bucht oben auf der Karte) endete der erste Törn durch dänisches Hoheitsgebiet nach 2 Wochen und rund 170 Seemeilen. Ein wunderschöner Sonnenuntergang im Hafen von Augustenborg gabs gratis dazu. Nach zwei Segelwochen mit Peter folgte eine weitere mit meinen beiden „Kindern“ Johannes (21) und Kathrin (18).