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Schnell, flexibel, modern - so könnte eine Kurzzusammenfassung über die HEOL 7.4 lauten. Tatsächlich steckt noch viel mehr in diesem kleinen Flitzer. Dieser Artikel stellt meine kleine aber feine Yacht vor.

Ein großes Plus, das für die HEOL spricht, ist die Trailerbarkeit. Kein fester Heimathafen und keine aufwändigen Transfertörns, auf der Straße erreicht man viele Reviere per Zugfahrzeug und Trailer.

Innenraum - das steckt unter der Haube

Es ist richtig, das Platzangebot unter Deck ist nicht riesig - es entspricht eher einer Berghütte als einem Hotel. Dennoch schätzen Wanderer und Bergsteiger den Wert einfacher Behausungen und so ist es auch hier: Es ist alles da, was man für einen sportlichen Törn so braucht, Heizung, Druckwasseranlage, Gaskocher, Kühlschrank, … . Das Design ist modern und hoch funktionell, der gesamte Platz ist sinnvoll genutzt. Nicht nur für Puristen geeignet, finde ich.

Die Vorschiffskoje wird aus der Sitzgruppe gezaubert: Der Tisch wird einfach abgesenkt und mit Postern belegt. Die Fläche, die dabei entsteht, ist größer als auf so manchem 40-Fuß-Schiff. Unter den Polstern befinden sich Staufächer, in den beiden hohen „Kisten“ links und rechts sind die elektro-hydraulischen Antriebe für die Hubkiele untergebracht. Auf dem ganzen Schiff sind LEDs verbaut, die ein kräftiges Licht und wenig Verbrauch garantieren.

Beurteilung - Test durch eine objektive Jury

Die Zeitschrift „Yacht“ schreibt in Ihrem Testbericht zur HEOL 7.4: "Die Heol 7.4 ist ein echter Alleskönner ... " und tatsächlich ist das Boot mehr als nur optisch gefällig. Flachwasser verliert mit den Schwenkkielen ebenso seinen Schrecken wie versandete Hafeneinfahrten. Trockenfallen und Beachen sind damit Standard-Manöver, das Boot einhand zu segeln macht ebenfalls keinerlei Probleme.

Erfahrung - die erste Saison mit BELIAN

Selbst eine ausgedehnte Probefahrt bietet bei weitem nicht den Einblick wie das erste Segeljahr. Die Stärken und Schwächen eines Bootes erkennt man erst unter realen Nutzungsbedingungen. Ich hatte im vergangenen Jahr viele Gelegenheiten BELIAN intensiv kennenzulernen: Die Segeleigenschaften bei Leicht- und bei Starkwind, das Handling beim Auf- und Abbauen, die Tücken beim Transport und nicht zuletzt den Wohnkomfort an Bord eines längeren Törns. Hier mein persönliches Fazit.

Lieblingskurse - wo gehts lang?

Das Boot steckt einiges weg, soviel vorab. Aber beginnen wir mal mit den Kursen: Was BELIAN überhaupt nicht mag sind Kurse direkt vorm Wind. Die HEOL verhält sich da wie ein Katamaran, der raumen Wind gerne abkreuzt. Sobald man von diesem langweiligen Plattvorm-Laken-Gedümpel durch Anluven etwas weggeht, kommt das Schiff so richtig in Fahrt. Ähnlich auf der Kreuz: Auch hart am Wind macht das Boot keine exzellente Figur. Andere Boote - vor allem Segler mit einem Kiel - laufen deutlich mehr Höhe bei gleichem Speed.

BELIAN spielt seine Stärken zwischen 70° und 140° zum Wind aus. Besonders ab Halbwind, wenn das Genaker gehisst wird, dann entfaltet die kleine, aber feine und vor allem sportliche Yacht ihr volles Potential. Gerade bei leichterem Wind kann BELIAN gut auch mit etwas größeren Schiffen mithalten. Sind die Segel richtig getrimmt, dann gleitet der kleine Flitzer wie auf Schienen durchs Wasser, ganz ohne Steuerdruck sucht er sich seinen eigenen Weg und zieht eine geradlinige Spur. Wenn andere noch stehen bewegt sich das Leichtgewicht bereits und wenig Wind wird in angenehme Fahrt umgesetzt.

Leichtwind - ein Hauch von Nichts

BELIAN besitzt ausgesprochen gute Segeleigenschaften bei leichtem Wind. Jeder Hauch wird in Bewegung umgesetzt. Das Foliensegel steht Dank der Segellatten bereits im Stillstand wie ein wohl geformter Flügel und nimmt jede noch so leichte Luftbewegung dankbar auf. Unter Vollzeug legt sich das Schiff bei Halbwind mit jedem Knoten mehr langsam auf die Seite, ab 10kn kann man sich bereits über die Wegnahme von Tuch Gedanken machen. Das bedeutet nicht, dass dann der Spaß ein Ende hat, aber mit deutlich weniger Krängung fährt es sich wesentlich angenehmer und nur wenig langsamer.

Sein Steuerverhalten ist recht gutmütig und durch die Doppelruder sehr direkt, BELIAN verzeiht Steuerfehler ohne zu murren. Fällt man vom Amwindkurs zum Beispiel auf Raumwindkurs ohne die Schoten zu fieren ab, dann nimmt die Krängung zwar deutlich zu, dennoch bleibt ein hohes Maß an Steuerbarkeit und selbst ein Vollkreis in diesem Setting führt nicht in die Katastrophe. Dennoch wird aus spätem Reffen schon auch mal ein Sonnenschuss, bei dem das Boot unkontrollierbar ist - im freien Wasser ist das kein Problem, im engen Fahrwasser oder nah bei einer felsigen Küste ist hingegen Vorsicht geboten.

Starkwind - wenn's mal wieder kachelt

Die Riviera zeigte sich nicht nur von seiner lieblichen Seite, es gab Tage mit 20kn Wind und mehr sowie etwa 2m hohe Wellen, ebenso in Dänemark. An dieser Stelle bekenne ich Farbe: Diese Bedingungen nehme ich in Kauf, suche sie aber nicht. Ja, auch wenn man mich von nun an als „Schönwetter-Segler“ abstempeln wird, unter Vollzeug bei herrlichstem Sonnenschein und glatter See mit einer guten Geschwindigkeit ohne Stress an einer schönen Küste entlangzusegeln ist genau mein Ding. Doch BELIAN schlägt sich auch unter raueren Bedingungen ganz gut, auch wenn man konzentriert steuern muss, so bewegt man sich mit der kleinen Französin sicher und gefahrlos durchs Wasser.

Aufriggen - Mast rauf

Vorausgesetzt das Vorstag ist durch den Transport nicht kürzer geworden ;-), so lässt sich die Yacht recht gut und vergleichsweise schnell aufriggen. Nach dem Winterlager, wo das feste Gute nicht mehr am Mast hängt, sondern separat gelagert wird, ist zu zweit ein halber Tag Arbeit nötig, um BELIAN wieder fahrtauglich zu machen. Bei angeschlagenen Wanten und Vorstag dauert der Vorgang gut 2 Stunden, wenn man weiß wo man hinlangen muss.

Abbau - Mast runter

Zusammenpacken geht erfahrungsgemäß immer schneller, so auch hier. Sind die Segel erstmal geborgen, dann ist das Legen des Masts ein Kinderspiel, denn man muss ja nicht immer - wie beim Aufriggen - auf das Verheddern jedes Falls, jedes Stags oder aller Leinen achten, ob der Weg vor oder hinter der Saling der richtige ist. Die Jütvorrichtung ist auf jeden Fall super nützlich!